Der Goldmarkt ist in bislang unbekanntes Terrain vorgedrungen. Mit Spotpreisen von über $3.750 USD pro Unze hat Gold seinen langfristigen Handelstrend klar nach oben durchbrochen und steuert nun auf die psychologisch wichtige Marke von $4.000 zu – mit weiterem Aufwärtspotenzial.
Für Investoren, Produzenten und den Explorationssektor ist dies weit mehr als nur ein weiterer Preis-Meilenstein – es signalisiert einen strukturellen Wandel in der Ökonomie des Goldes.
In den vergangenen 12 Monaten ist der Goldpreis um 95% gestiegen. Die stärksten Aufwärtsbewegungen setzten dabei stets nach längeren Phasen seitwärts gerichteter Konsolidierung unterhalb wichtiger Widerstandsmarken (weiß markiert) ein. Jeder Ausbruch aus diesen Konsolidierungen löste einen kräftigen Aufwärtsschub aus. Die bislang stärkste Rallye ereignete sich zu Beginn des Jahres 2025, als Gold innerhalb von nur 5 Monaten von rund $2.700 auf $3.500 kletterte. Die jüngste Konsolidierung – von April bis August 2025 – war zugleich die längste. Ihr Ausbruch hat den Goldpreis nun in neue Rekordregionen über $3.750 katapultiert.
Die Preisentwicklung von Gold im vergangenen Jahrzehnt zeigt ein klares Muster: Das Metall bewegte sich innerhalb eines breiten Aufwärtstrendkanals (grün). Jedes Mal, wenn die obere Begrenzung dieses Kanals erreicht wurde, fungierte sie als Widerstand (rote Kreise) und leitete längere Konsolidierungsphasen ein (rote Linien). Erst nach deren Auflösung kam es zu starken Kursrallyes, die häufig am oder nahe des unteren Kanaltrends begannen. Im April 2025 gelang Gold erstmals in diesem Zyklus der entschiedene Ausbruch über die obere Begrenzung des Kanals. In den darauffolgenden 5 Monaten wurde dieses frühere Widerstandsniveau mehrfach getestet und schließlich als neue Unterstützung bestätigt. Mit dieser Bestätigung abgeschlossen, hat der Ausbruch nun einen frischen, beschleunigten Aufwärtstrend entfesselt – Gold ist sprichwörtlich nicht mehr zu bremsen.
Die Minen sprudeln vor Cash
Der steile Anstieg des Goldpreises hat sich unmittelbar in eine noch nie dagewesene Profitabilität der Minengesellschaften übersetzt. Bei einem Goldpreis von $3.750/Unze und durchschnittlichen All-In Sustaining Costs (AISC-Produktionskosten) von rund $1.400-1.500/Unze erzielen die Produzenten derzeit Margen von über $2.200 je Unze. Das entspricht einer Gewinnsteigerung von fast 150% gegenüber den Margen bei einem Goldpreis von $1.950 noch vor wenigen Jahren.
Mit Margen auf Rekordniveau sind die großen Produzenten in einer ausgezeichneten Position, um Übernahmen (M&A) voranzutreiben und definierte Unzen im Boden in stabilen Jurisdiktionen zu erwerben. Dies sichert nicht nur zukünftige Produktionspipelines, sondern ermöglicht es ihnen auch, schrumpfende Reserven zu ersetzen, die Bilanzen zu stärken und von der positiven Marktstimmung zu profitieren.
Für Investoren deutet dies auf eine bevorstehende Übernahmewelle hin, bei der hochwertige Explorations- und Entwicklungsprojekte als bevorzugte Übernahmeziele in den Fokus rücken dürften.
Die Margen der Minengesellschaften weiten sich etwa 1,5- bis 2-mal schneller aus als der Goldpreis. Das obige Chart zeigt, wie die AISC-Margen mit steigendem Goldpreis in die Höhe schießen und damit die enorme operative Hebelwirkung der Produzenten verdeutlichen. Ein Anstieg des Goldpreises um 10% führt im Schnitt zu einem Margenzuwachs von rund 16%. Bei niedrigeren Preisniveaus können die Margen nahezu doppelt so stark steigen wie der Goldpreis selbst, während der Effekt auf höheren Preisstufen zwar etwas abgeschwächt, aber weiterhin sehr ausgeprägt bleibt.
Daten zu den Cashflow-Kennzahlen der Goldminen aus diesem Jahr zeigen einen Sektor im Umbruch: Eine Phase tiefgreifender finanzieller Transformation. Wie der obige Chart von Mitte Mai verdeutlicht, ist der Trend eindeutig: Der aggregierte operative Cashflow der letzten 12 Monate pro Aktie im Philadelphia Stock Exchange Gold & Silver Index ist auf Niveaus gestiegen, die seit 2012 nicht mehr erreicht wurden – ein klarer Hinweis auf eine neue Dimension der Profitabilität.
Im untenstehenden Chart vom 9. Februar zieht Costa einen eindrucksvollen Vergleich mit der Entwicklung im Energiesektor: Dort wich jahrelanger Anlegerskepsis einer Phase mit Rekordgewinnen und massiven Effizienzsteigerungen. Seiner Ansicht nach tritt nun auch der Minensektor in eine ähnliche Phase ein – eine, in der schlankere Kostenstrukturen, disziplinierte Kapitalallokation und hohe Goldpreise zusammenwirken, um nachhaltigen Free Cashflow zu generieren.
Der obere Chart stützt diese optimistische Sichtweise zusätzlich, indem es die Aktienkurse der Goldminen mit den 2 Jahre vorausgeschätzten Free-Cashflow-Erwartungen vergleicht. Die Divergenz – rekordhohes oder nahezu rekordhohes Cashflow-Potenzial bei gleichzeitig tief abgeschlagenen Aktienkursen im Vergleich zu früheren Höchstständen – deutet auf eine enorme Neubewertungs-Chance hin.
Für Investoren bedeutet dies, dass die großen Goldproduzenten nicht nur profitabler sind als seit mehr als einem Jahrzehnt, sondern auch finanziell in der Lage, aggressive Wachstumsstrategien – einschließlich Übernahmen – zu verfolgen.
In einem Markt, in dem neue Goldentdeckungen selten sind und strategische Unzen mit hohen Aufschlägen bewertet werden, könnten diese liquiden Produzenten schon bald ihren Fokus auf gut positionierte Explorationsunternehmen richten.
Hinweis: Am 10. Februar 2025 notierte Gold bei $2.855; heute liegt der Preis bei $3.750 – ein Anstieg von 31%. Angesichts dieses Sprungs dürften die „Free Cashflows“ der Goldminen seither proportional gestiegen sein. Es ist daher wichtig zu beachten, dass die in den Charts dargestellten Daten mehrere Monate alt sind.
Der Preis der Knappheit
Während die Nachfrage nach Gold stark bleibt, stößt das Angebotswachstum auf strukturelle Grenzen. Neue Goldfunde werden immer seltener. Trotz rekordhoher Explorationsausgaben in den vergangenen 2 Jahrzehnten ist die Zahl neu entdeckter Weltklasse-Lagerstätten kontinuierlich zurückgegangen.
Die Ära der leicht entdeckbaren, oberflächennahen Lagerstätten ist vorbei. Heute erfordert Exploration häufig tiefere Bohrungen, risikoreichere Jurisdiktionen und höhere Anfangsinvestitionen.
Diese Knappheit an Neuentdeckungen bedeutet, dass bereits definierte Unzen im Boden exponentiell wertvoller werden – insbesondere in stabilen und minenfreundlichen Regionen.
Zugleich schafft sie die Grundlage für eine beschleunigte Welle von M&A-Transaktionen. Mit Rekordmargen und prall gefüllten Bilanzen sind die großen Produzenten stark motiviert, hochwertige Entwicklungsprojekte zu übernehmen, anstatt selbst kostspielige und riskante Explorationen durchzuführen.
Diesmal ist es anders
Frühere Goldbullenmärkte waren oft nur von kurzer Dauer und durch zyklische makroökonomische Schocks getrieben. Heute erscheinen die Treiber weitaus fundamentaler:
- Globale Schuldenstände befinden sich auf nie dagewesenen Höchstständen.
- Zentralbanken kaufen Gold in einem Tempo, wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
- Inflationäre Tendenzen bleiben hartnäckig – selbst nach aggressiven Zinserhöhungen.
- Geopolitische Spannungen stärken Golds Status als sicherer Hafen.
Zusammen mit Angebotsknappheit und Rekordmargen deutet dieses Umfeld darauf hin, dass sich der Sektor erst am Anfang eines anhaltenden Bullenzyklus befindet.
Fazit
Ein Goldpreis bei $3.800 ist nicht nur eine Schlagzeile – er bildet das Fundament einer neuen Ära für die Minenindustrie. Cashflows liegen auf Rekordhöhe, Margen auf Allzeithochs und Neuentdeckungen werden immer seltener. Für Anleger bedeutet dies zweierlei:
- Produzenten werden weiterhin außergewöhnliche Gewinne erzielen und Kapital an ihre Aktionäre zurückgeben.
- Explorer und Entwickler mit qualitativ hochwertigen Unzen im Boden – insbesondere in stabilen Jurisdiktionen – dürften sich als bevorzugte Übernahmeziele herausstellen.
Wie die Geschichte zeigt, werden die großen Vermögen im Goldsektor oft nicht am Beginn eines Bullenmarktes gemacht, sondern in den darauffolgenden Phasen der Konsolidierung und Übernahmen. Da alle Charts in die gleiche Richtung weisen, könnte dies die stärkste Ausgangslage sein, die der Sektor je erlebt hat.
Stephan Bogner
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Stephan Bogner (Dipl. Kfm., FH)
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